In den 1990er-Jahren war der Ford Mustang auf europäischen Rennstrecken längst kein selbstverständlicher Anblick mehr. Während Porsche mit dem 911 die GT-Klassen prägte und Chrysler mit der Viper GTS-R einen kompromisslosen neuen Konkurrenten entwickelte, setzte Saleen auf einen deutlich traditionelleren Ansatz. Ein großer amerikanischer V8 saß vorne, die Hinterräder übernahmen den Antrieb und über allem stand eine Karosserie, deren Herkunft vom Serien-Mustang weiterhin deutlich zu erkennen war.

Mit dem Saleen Mustang GT2 wagte die amerikanische Firma 1997 den Sprung auf die internationale GT-Bühne. Das Projekt führte nach Daytona und Sebring, in die neue FIA-GT-Meisterschaft, in die britische GT-Szene und schließlich zu den 24 Stunden von Le Mans. Große Siege blieben aus. Dennoch wurde der Mustang zu einem wichtigen Bestandteil einer Entwicklung, die Saleen wenige Jahre später mit dem S7-R auf ein völlig anderes Niveau führen sollte.

Saleen wollte mehr als schnelle Straßen-Mustangs bauen

Steve Saleen hatte sein Unternehmen bereits in den 1980er-Jahren eng mit dem Ford Mustang verbunden. Saleen beschränkte sich dabei nicht darauf, Serienfahrzeuge optisch aufzuwerten. Fahrwerk, Bremsen und Motorleistung gehörten ebenso zum Konzept wie der regelmäßige Einsatz im Motorsport. Rennen sollten nicht nur Werbung liefern, sondern die Marke als eigenständigen Hersteller leistungsorientierter Fahrzeuge etablieren.

In den Vereinigten Staaten war diese Verbindung zwischen Mustang und Saleen längst bekannt. International sah die Situation anders aus. Dort wurde der GT-Sport Mitte der 1990er-Jahre zunehmend von speziell entwickelten Rennwagen geprägt. Selbst Fahrzeuge, die äußerlich noch an Straßenmodelle erinnerten, entfernten sich technisch immer stärker von ihren Ausgangspunkten. McLaren F1 GTR, Porsche 911 GT1 oder Mercedes-Benz CLK-GTR standen für die extreme Seite dieser Entwicklung.

Eine Klasse darunter blieb der Zusammenhang mit klassischen Gran-Turismo-Fahrzeugen deutlich stärker erhalten. Genau dort wollte Saleen angreifen. Der Mustang sollte nicht gegen die kostspieligsten GT1-Prototypen antreten, sondern in der GT2-Kategorie zeigen, dass ein amerikanisches Konzept auch gegen etablierte europäische Rennwagen konkurrenzfähig sein konnte.

Ein Mustang mit fast sechs Litern Hubraum

Die Grundarchitektur wirkte neben vielen europäischen Konkurrenten beinahe konventionell. Der Saleen Mustang besaß einen vorne eingebauten Ford-V8-Saugmotor und Hinterradantrieb. Für die internationalen Einsätze wird der Hubraum je nach Veranstaltung und Dokumentation mit rund 5,9 beziehungsweise 6,0 Litern angegeben. In den Le-Mans-Unterlagen von 1997 erscheint der Motor mit 5,9 Litern Hubraum.

Damit unterschied sich der Saleen fundamental von seinem wichtigsten europäischen Gegner. Porsche vertraute beim 911 GT2 auf einen aufgeladenen Sechszylinder-Boxermotor im Heck. Die Chrysler Viper GTS-R wiederum setzte ebenfalls auf großen Hubraum, ging mit ihrem mächtigen V10 jedoch noch einen Schritt weiter. Der Mustang lag konzeptionell irgendwo zwischen diesen Welten: amerikanisch in seiner Grundidee, aber für den internationalen GT-Sport konsequent weiterentwickelt.

Auch optisch war der Ausgangspunkt weiterhin zu erkennen. Gleichzeitig hatte der Rennwagen nur wenig mit einem gewöhnlichen Straßen-Mustang gemeinsam. Breite Kotflügel, eine tief liegende Front, umfangreiche Luftöffnungen und ein großer Heckflügel machten deutlich, welchem Zweck das Fahrzeug diente. Gerade neben den flachen Porsche wirkte der Saleen jedoch weiterhin ungewöhnlich hoch und massiv.

Fakten zum Fahrzeug
Saleen Mustang GT2
Basis
Ford Mustang SN95
Klasse
GT2
Motor
Ford-V8-Saugmotor
Hubraum
rund 5,9 Liter
Antrieb
Hinterradantrieb
Le-Mans-Debüt
1997
Le Mans 1997
2 Starter, 2 Ausfälle
Weitere Einsätze
FIA GT, British GT, Daytona, Sebring

1997 begann das internationale Abenteuer

Das große internationale Programm startete zu Beginn der Saison 1997. Saleen trat gemeinsam mit dem Saleen/Allen Speedlab zunächst in Nordamerika an. Bereits im Januar wurde der Wagen bei Tests in Daytona eingesetzt. Anfang Februar folgten die 24 Stunden von Daytona, wo ein Mustang mit Robert Schirle, Steve Saleen, David Warnock und Schauspieler Tim Allen antrat.

Sportlich begann das Programm schwierig. Der Wagen wurde in Daytona nur auf Rang 68 gewertet. Beim anschließenden Zwölf-Stunden-Rennen in Sebring kamen mehrere Saleen zum Einsatz. Einer der Mustang erreichte mit Steve Saleen, David Warnock und Robert Schirle den 20. Platz, während ein weiteres Fahrzeug mit Kupplungsproblemen ausfiel.

Diese Resultate waren noch weit von einem großen internationalen Durchbruch entfernt. Wichtiger war zunächst, Kilometer zu sammeln und das Fahrzeug auf die Anforderungen langer GT-Rennen vorzubereiten. Das eigentliche Ziel der ersten Saison lag ohnehin auf der anderen Seite des Atlantiks.

Le Mans war das große Ziel

Für Saleen hatte das Projekt einen besonderen symbolischen Wert. Ein Mustang bei den 24 Stunden von Le Mans war Ende der 1990er-Jahre eine echte Ausnahme. Seit dem Einsatz eines Shelby Mustang im Jahr 1967 war das amerikanische Modell nicht mehr beim französischen Langstreckenklassiker angetreten.

Schon die Vorqualifikation im Mai 1997 wurde deshalb zu einem wichtigen Meilenstein. Saleen brachte zwei Fahrzeuge nach Frankreich. Beide schafften den entscheidenden Schritt in das Starterfeld. Damit stand fest, dass beim eigentlichen Rennen im Juni gleich zwei Mustang gegen die internationale GT2-Konkurrenz antreten würden.

Der Erfolg bestand zunächst weniger in der absoluten Geschwindigkeit als darin, überhaupt den Zugang zum Rennen geschafft zu haben. Das Starterfeld in Le Mans war zu dieser Zeit stark besetzt, und die GT2-Kategorie bot etablierte Gegner. Porsche stellte mehrere 911 GT2, Chrysler war mit der von Oreca entwickelten Viper GTS-R vertreten, hinzu kamen Fahrzeuge von Marcos und Callaway.

Zwei Saleen Mustang stehen 1997 am Start

Im Juni erschienen die beiden Saleen mit den Startnummern 66 und 67. Der Mustang mit der Nummer 66 wurde von Robert Schirle, David Warnock und Allen Lloyd gefahren. Das Schwesterauto mit der Nummer 67 teilten sich Steve Saleen, der frühere Le-Mans-Gesamtsieger Price Cobb und Carlos Palau.

Schon die Qualifikation verdeutlichte die Unterschiede zwischen den beiden Fahrzeugen. Die Nummer 67 erreichte mit einer Zeit von 4:06,922 Minuten den 35. Startplatz. Die Nummer 66 qualifizierte sich mit 4:09,801 Minuten auf Position 39. Beide standen damit sicher im Feld, aber nicht an der Spitze der GT2-Klasse.

Für Saleen war allein dieser Doppelstart bemerkenswert. Das kleine amerikanische Unternehmen trat auf derselben Bühne wie einige der größten Motorsportabteilungen Europas an. Gleichzeitig musste sich nun zeigen, ob der robuste Eindruck des Mustang auch über 24 Stunden Bestand haben würde.

Geschwindigkeit allein reichte nicht

Der Mustang besaß einen offensichtlichen Reiz. Ein großer V8 ohne Turboaufladung versprach eine vergleichsweise direkte Leistungsentfaltung, und das klassische Frontmotor-Konzept war grundsätzlich gut bekannt. Doch Le Mans stellte andere Anforderungen als kürzere Rennen in Nordamerika.

Gewicht, Aerodynamik, Reifenbelastung, Bremsen und vor allem Zuverlässigkeit entschieden über Erfolg oder Niederlage. Genau hier waren die etablierten GT-Hersteller im Vorteil. Porsche verfügte über jahrzehntelange Erfahrung mit Langstreckenrennen. Chrysler und Oreca hatten erhebliche Ressourcen in die Entwicklung der Viper gesteckt.

Saleen befand sich dagegen noch mitten in der Lernphase. Der Mustang musste nicht nur schnell sein, sondern stundenlang mit hoher Durchschnittsgeschwindigkeit funktionieren. Jeder kleine konstruktive Schwachpunkt konnte sich auf der mehr als 13 Kilometer langen Strecke in ein ernsthaftes Problem verwandeln.

Beide Mustang scheiterten

Keiner der beiden Saleen erreichte 1997 das Ziel. Die Nummer 66 von Schirle, Warnock und Lloyd kam lediglich auf 28 Rennrunden, bevor elektrische Probleme den Einsatz beendeten. Für das zweite Fahrzeug verlief das Rennen zunächst wesentlich länger.

Steve Saleen, Price Cobb und Carlos Palau absolvierten mit der Nummer 67 insgesamt 133 Runden. Dann sorgte ein Problem im Bereich eines Rades beziehungsweise der Radaufhängung für das Aus. Damit war auch der zweite Mustang aus dem Rennen.

Das Ergebnis war ernüchternd. Statt einer Zielankunft endete der erste große Le-Mans-Angriff mit einem Doppelausfall. Dennoch hatte Saleen erreicht, was wenige Monate zuvor keineswegs selbstverständlich gewesen war: Zwei selbst entwickelte Mustang hatten sich für eines der bedeutendsten Langstreckenrennen der Welt qualifiziert und waren tatsächlich gestartet.

Gegen Porsche und Viper fehlte noch einiges

Ein Blick auf die Konkurrenz zeigt, wie anspruchsvoll die GT2-Aufgabe war. Vor allem die Chrysler Viper GTS-R entwickelte sich in jener Phase zu einem der bestimmenden Fahrzeuge ihrer Klasse. Der großvolumige V10, eine konsequent auf den Motorsport zugeschnittene Konstruktion und die professionelle Vorbereitung durch Oreca bildeten ein Gesamtpaket, das in den folgenden Jahren zahlreiche Klassensiege erringen sollte.

Auch der Porsche 911 GT2 war ein wesentlich ausgereifteres Konzept. Porsche konnte auf einem bestehenden Kundensportnetzwerk aufbauen und Fahrzeuge an verschiedene Teams liefern. Der Saleen Mustang besaß weder diese Entwicklungstiefe noch eine ähnlich große internationale Einsatzbasis.

Seine Stärke lag deshalb zunächst weniger darin, die Klasse zu dominieren. Der Mustang bot Teams eine andere Möglichkeit: ein großvolumiges amerikanisches GT-Fahrzeug, dessen Charakter sich deutlich von den europäischen Konkurrenten unterschied. Gerade deshalb fand das Auto nach Le Mans auch den Weg in weitere Rennserien.

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Cirtek bringt den Mustang in die British GT

Ein wichtiger Teil der Geschichte spielte sich 1997 in Großbritannien ab. Cirtek Motorsport setzte den Mustang regelmäßig in der British GT Championship ein. Dort zeigte sich, dass das Fahrzeug auf kürzeren Distanzen durchaus konkurrenzfähig sein konnte.

Beim Rennen in Donington erreichten David Warnock und Robert Schirle den fünften Platz. Noch besser verlief der Auftritt in Brands Hatch im August. Das Duo startete von Position sechs und brachte den Saleen auf dem dritten Rang ins Ziel.

Dieses Podium gehört zu den bemerkenswertesten Resultaten des Mustang-Programms. Der Wagen war damit nicht nur ein exotischer Starter, der aufgrund seines amerikanischen Charakters Aufmerksamkeit erzeugte. Unter passenden Bedingungen besaß er genug Geschwindigkeit, um gegen andere GT2-Fahrzeuge um vordere Positionen zu kämpfen.

Parallel dazu wartet die FIA GT

Die FIA GT Championship war 1997 erstmals unter diesem Namen ausgetragen worden und entwickelte sich sofort zu einer der bedeutendsten GT-Serien der Welt. Besonders die GT1-Kategorie sorgte mit McLaren, Porsche und Mercedes-Benz für enorme Aufmerksamkeit. Doch auch die GT2-Klasse war international stark besetzt.

Saleen trat unter anderem in Silverstone und Spa an. In Silverstone standen mehrere Mustang im Feld, ohne jedoch ein herausragendes Resultat zu erzielen. Beim Lauf in Spa erreichte ein Fahrzeug mit James Kaye, Peter Owen und Guy Smith Platz 25. Ein weiterer Saleen fiel aus.

Spätere Auftritte in Donington, Mugello, Sebring und Laguna Seca verliefen wechselhaft. Technische Defekte, Unfälle und Ausfälle prägten das Bild. Der Mustang besaß grundsätzlich Potenzial, aber es gelang nicht, aus einzelnen guten Leistungen eine konstante internationale Erfolgsgeschichte zu entwickeln.

Der Mustang war kein perfekter GT2

Gerade diese fehlende Konstanz beschreibt das Auto treffender als einzelne Rundenzeiten. Der Saleen Mustang war schnell genug, um ernst genommen zu werden. Das British-GT-Podium in Brands Hatch belegt das. Gleichzeitig fehlte die Zuverlässigkeit, um bei langen internationalen Veranstaltungen regelmäßig Ergebnisse einzufahren.

Hinzu kam die Ausgangsbasis. Der Mustang war ein groß gebautes Frontmotor-Coupé, dessen Grundkonzept ursprünglich nicht mit Blick auf einen internationalen GT2-Rennwagen entstanden war. Saleen konnte Gewicht reduzieren, Fahrwerk und Aerodynamik verändern und einen leistungsfähigen Rennmotor einsetzen. Die grundlegenden Proportionen des Autos ließen sich jedoch nicht beliebig verändern.

Damit stand der Wagen stellvertretend für eine Phase des GT-Sports, in der seriennähere Fahrzeuge zunehmend gegen immer konsequenter entwickelte Rennkonstruktionen antreten mussten. Der technische Aufwand stieg – und mit ihm die Anforderungen an kleinere Hersteller.

1998 folgte ein Achtungserfolg in Sebring

Saleen gab nach der schwierigen ersten Saison nicht sofort auf. Auch 1998 erschien der Mustang bei ausgewählten Langstreckenrennen. Der Auftakt in Daytona verlief allerdings erneut problematisch: Nach einem Unfall trat das gemeldete Fahrzeug mit Steve Saleen, Ron Johnson und Will Hoy nicht zum Rennen an.

Deutlich besser entwickelte sich das Zwölf-Stunden-Rennen in Sebring. Steve Saleen, Ron Johnson und Tommy Archer brachten ihren Mustang auf den siebten Gesamtrang. Angesichts der Belastungen des Klassikers war das eines der stärksten Resultate des internationalen Mustang-Programms.

Sebring zeigte damit noch einmal, dass das Konzept keineswegs grundsätzlich ungeeignet war. Wenn die Technik hielt, konnte der Saleen auch über eine lange Distanz ein respektables Ergebnis erzielen. Für einen dauerhaften Durchbruch reichte dieser einzelne Erfolg allerdings nicht aus.

Noch einmal sollte es nach Le Mans gehen

Auch 1998 blieb Le Mans ein Thema. Cirtek Motorsport meldete erneut einen Saleen Mustang für die GT2-Kategorie. Bei der Vorqualifikation im Mai trat das Fahrzeug unter anderem mit Robert Schirle und Michel Ligonnet an und tauchte als Nummer 74 in den Meldelisten auf.

Zum eigentlichen Rennen kam es jedoch nicht mehr. Der Mustang wurde zurückgezogen. Damit blieb der Doppelstart von 1997 der einzige tatsächliche Le-Mans-Renneinsatz dieser Saleen-Mustang-Generation.

Das macht die beiden Fahrzeuge von 1997 heute umso interessanter. Ihre Karriere an der Sarthe war kurz und ohne Zielankunft, aber sie bildeten ein ungewöhnliches Kapitel in einer Epoche, die ansonsten vor allem mit Porsche, Mercedes-Benz, McLaren, Viper und den japanischen GT1-Projekten verbunden wird.

Warum Saleen einen radikaleren Rennwagen brauchte

Aus dem Mustang-Projekt ließ sich eine zentrale Erkenntnis ableiten: Wer auf höchstem internationalem Niveau im GT-Sport dauerhaft gewinnen wollte, musste das Fahrzeug stärker von den Anforderungen des Rennsports aus entwickeln.

Der Mustang blieb trotz aller Umbauten ein Rennwagen auf Basis eines bestehenden Großserienkonzepts. Die Konkurrenz bewegte sich dagegen immer weiter in Richtung speziell konstruierter Fahrzeuge. Selbst in den stärker serienorientierten Klassen wurden Aerodynamik, Gewichtsverteilung und Fahrwerksgeometrie zunehmend wichtiger.

Saleens nächster großer Schritt fiel deshalb wesentlich radikaler aus. Statt erneut einen vorhandenen Mustang zum Rennwagen weiterzuentwickeln, entstand mit dem Saleen S7 ein eigener Supersportwagen. Die Rennversion S7-R wurde von Beginn an als internationales GT-Projekt gedacht.

Vom Mustang zum Saleen S7-R

Der Unterschied konnte kaum größer sein. Der S7 besaß einen Mittelmotor, eine extrem flache Karosserie und eine Konstruktion, die sich schon in ihrer Grundform wesentlich stärker am Rennsport orientierte. Zwar blieb Saleen seinem großvolumigen amerikanischen V8 treu, doch die Umgebung dieses Motors war nun eine völlig andere.

Der S7-R entwickelte sich Anfang der 2000er-Jahre zu einem international erfolgreichen GT-Rennwagen. Er gewann Rennen und Meisterschaften auf mehreren Kontinenten und trat regelmäßig gegen Ferrari, Corvette, Chrysler beziehungsweise Dodge und andere etablierte Hersteller an.

Der Mustang GT2 erscheint dadurch rückblickend wie eine Vorstufe. Saleen sammelte mit ihm Erfahrungen in Daytona, Sebring, Le Mans, der British GT und der FIA GT. Das Unternehmen lernte, welche Anforderungen internationale Langstreckenrennen an Aerodynamik, Zuverlässigkeit, Servicefreundlichkeit und Fahrzeugkonzept stellten.

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Ein klassischer amerikanischer Außenseiter

Gerade weil der Saleen Mustang GT2 keine lange Siegerliste vorweisen kann, erzählt seine Geschichte viel über den GT-Sport der späten 1990er-Jahre. Er entstand in einer Phase, in der kleine Hersteller noch versuchen konnten, mit vergleichsweise klassischen Konzepten auf der größten internationalen Bühne anzutreten.

Ein Mustang mit fast sechs Litern Hubraum stand in Le Mans neben Porsche 911 GT2, Chrysler Viper GTS-R und den spektakulären GT1-Fahrzeugen jener Jahre. Das allein war ungewöhnlich. Noch bemerkenswerter ist, dass Saleen gleich zwei Autos durch die Qualifikation brachte.

Das Auto war dabei kein reiner Marketing-Gag. Der dritte Platz in Brands Hatch und der siebte Rang in Sebring 1998 zeigen, dass der Mustang unter geeigneten Bedingungen konkurrenzfähig sein konnte. Was fehlte, waren die Konstanz und technische Reife für eine längerfristige Erfolgsgeschichte.

Der Saleen Mustang GT2 blieb ein Übergangsmodell

Im Rückblick steht der Saleen Mustang GT2 zwischen zwei Phasen der Firmengeschichte. Hinter ihm lagen die Jahre, in denen Saleen vor allem eng mit dem Ford Mustang verbunden gewesen war. Vor ihm lag der Schritt zum eigenständigen Supersportwagenhersteller und zum international erfolgreichen S7-R.

Der GT2-Mustang war damit weder der Anfang noch der Höhepunkt von Saleens Motorsportgeschichte. Er war das Bindeglied. Mit ihm verließ die Marke ihre amerikanische Komfortzone und stellte sich den großen internationalen GT-Rennen.

Dass dabei zunächst Ausfälle, technische Schwierigkeiten und einzelne Achtungserfolge überwogen, gehört zur Geschichte. Ohne diese Erfahrungen wäre der spätere Schritt zum S7-R jedoch kaum in derselben Form denkbar gewesen.

Warum der Saleen Mustang GT2 heute wieder interessant ist

In den Statistiken der 1990er-Jahre lässt sich der Saleen leicht übersehen. Er gewann Le Mans nicht, dominierte keine FIA-GT-Saison und entwickelte sich auch nicht zum erfolgreichen Kundensportmodell wie der Porsche 911 GT2. Trotzdem besitzt er historischen Reiz.

Der Mustang verkörperte einen Rennwagentyp, der kurz darauf auf internationaler Ebene immer seltener wurde: einen großvolumigen Frontmotor-GT mit klar erkennbarer Verbindung zu einem vergleichsweise gewöhnlichen Serienmodell. Seine Silhouette war weniger exotisch als die eines McLaren F1 oder Porsche 911 GT1, sein Auftritt dafür umso ungewöhnlicher.

Vor allem der Le-Mans-Einsatz von 1997 macht ihn zu einem besonderen Kapitel der Mustang-Geschichte. Drei Jahrzehnte nach dem vorherigen Mustang-Auftritt kehrte das Modell an die Sarthe zurück – nicht als Werks-Ford, sondern durch die Initiative eines vergleichsweise kleinen amerikanischen Herstellers.

Fazit: Der Mustang, mit dem Saleen die Weltbühne betrat

Der Saleen Mustang GT2 war kein großer Sieger der GT-Geschichte. Seine internationale Karriere war von technischen Problemen, Ausfällen und einem Programm geprägt, das nie die Schlagkraft der großen Hersteller erreichte. Gerade deshalb ist seine Bedeutung leicht zu unterschätzen.

1997 brachte Saleen zwei Mustang nach Le Mans, startete gleichzeitig in Nordamerika, Großbritannien und der FIA GT und stellte sich damit erstmals in größerem Umfang der internationalen GT-Elite. Einzelne Ergebnisse wie das Podium in Brands Hatch oder Rang sieben in Sebring zeigten, dass hinter dem ungewöhnlichen Konzept echte Substanz steckte.

Der entscheidende Erfolg des Projekts lag letztlich jedoch nicht in einer Trophäe. Der Mustang zeigte Saleen, wie groß der Schritt vom leistungsstarken Straßenauto zum international konkurrenzfähigen Langstrecken-Rennwagen tatsächlich war. Wenige Jahre später zog die Firma daraus die Konsequenz und entwickelte mit dem S7 einen vollkommen eigenen Supersportwagen.

Der Saleen Mustang GT2 blieb dadurch eine Zwischenstation. Aber ohne diese Zwischenstation wäre eines der markantesten amerikanischen GT-Projekte der frühen 2000er-Jahre möglicherweise nie entstanden.

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