Garage 56 hatte in Le Mans bereits radikale Rennwagen wie den DeltaWing und Nissan ZEOD RC hervorgebracht. 2016 stand jedoch keine neue Antriebstechnik im Mittelpunkt. Stattdessen wurde ein Morgan-LMP2 so umgebaut, dass Frédéric Sausset ihn trotz des Verlusts aller vier Gliedmaßen fahren konnte. Vier Jahre nach einer lebensbedrohlichen Infektion startete der Franzose tatsächlich bei den 24 Stunden von Le Mans – und erreichte gemeinsam mit seinen Teamkollegen sogar das Ziel.
Als Frédéric Sausset im Sommer 2012 schwer erkrankte, spielte Motorsport zunächst keine Rolle mehr. Während eines Urlaubs zog er sich eine bakterielle Infektion zu. Eine daraus resultierende Sepsis bedrohte sein Leben und führte innerhalb kurzer Zeit zu schweren Schädigungen seiner Extremitäten. Um sein Leben zu retten, mussten schließlich beide Arme und beide Beine amputiert werden.
Nur wenige Monate später entstand eine Idee, die zunächst nahezu unrealistisch erschien. Sausset wollte nicht einfach wieder Auto fahren. Sein Ziel wurden die 24 Stunden von Le Mans. Dafür musste ein Rennwagen entstehen, den er ohne Hände und Füße kontrollieren konnte. Gleichzeitig durfte das Fahrzeug seinen beiden nicht behinderten Teamkollegen keine grundlegenden Nachteile bereiten. Aus dieser Herausforderung entwickelte sich eines der außergewöhnlichsten Garage-56-Projekte überhaupt.
Von einer lebensbedrohlichen Infektion zum Le-Mans-Ziel
Sausset war Unternehmer und Motorsportfan, aber kein professioneller Rennfahrer, als sich sein Leben 2012 innerhalb weniger Tage veränderte. Nach der Infektion verschlechterte sich sein Zustand dramatisch. Die Amputation seiner vier Gliedmaßen rettete ihm schließlich das Leben. Nach Angaben des Automobile Club de l’Ouest entwickelte er bereits etwa vier Monate nach der Operation die Idee, eines Tages bei den 24 Stunden von Le Mans anzutreten.
Damit begann ein Projekt, das weit mehr verlangte als körperliche Rehabilitation. Sausset musste zunächst lernen, überhaupt wieder ein Fahrzeug zu kontrollieren. Anschließend musste er Schritt für Schritt in den Motorsport einsteigen und genügend Erfahrung sammeln, um die Anforderungen eines schnellen Prototypen bewältigen zu können. Gleichzeitig benötigte er technische Partner, die bereit waren, ein völlig neues Bedienkonzept für einen Rennwagen zu entwickeln.
Ein Rennwagen musste sich dem Fahrer anpassen
Für Sausset konnte ein normales Lenkrad mit Schaltwippen und herkömmlicher Pedalerie nicht funktionieren. Ein geeigneter Rennwagen musste deshalb nicht nur einzelne Hilfsmittel erhalten, sondern die Schnittstelle zwischen Fahrer und Maschine grundsätzlich verändern. Onroak Automotive übernahm einen wesentlichen Teil dieser Entwicklungsarbeit und passte einen Morgan-LMP2-Nissan an seine Bedürfnisse an.
Dabei bestand eine zusätzliche Schwierigkeit: Sausset sollte sich das Fahrzeug mit Christophe Tinseau und Jean-Bernard Bouvet teilen. Der Morgan durfte deshalb nicht ausschließlich auf ihn zugeschnitten sein. Bei einem Fahrerwechsel mussten auch seine Teamkollegen den Prototypen möglichst konventionell bedienen können. Die Lösung musste Spezialanfertigung und normalen Rennbetrieb miteinander verbinden – und gleichzeitig die strengen Sicherheitsanforderungen von Le Mans erfüllen.
Garage 56 bot dem Projekt den nötigen Freiraum
Unter normalen Bedingungen hätte der speziell umgebaute Morgan kaum in das technische Regelwerk der LMP2-Klasse gepasst. Genau hier kam Garage 56 ins Spiel. Der zusätzliche Platz war ursprünglich geschaffen worden, um innovative Fahrzeuge und Technologien außerhalb der bestehenden Klassen zu erproben. 2012 hatte ihn der DeltaWing genutzt, 2014 folgte der elektrifizierte Nissan ZEOD RC.
2016 definierte der ACO Innovation erstmals wesentlich breiter. Nicht ein neuer Motor oder ein ungewöhnliches aerodynamisches Konzept erhielt den Platz, sondern Technik zur Anpassung eines Hochleistungsrennwagens an einen Fahrer mit erheblichen körperlichen Einschränkungen. Der ACO bezeichnete Technologien für Menschen mit eingeschränkter Mobilität ausdrücklich als Schwerpunkt des Projekts.
Aus einem Morgan LMP2 wurde Saussets Rennwagen
Die Basis des Projekts war ein Morgan-LMP2 mit Nissan-Motor. Das von Onroak Automotive entwickelte Chassis war grundsätzlich ein konventioneller offener Prototyp seiner Generation. Für Sausset musste jedoch vor allem die Bedienung verändert werden. Besonders Lenken und Bremsen verlangten Lösungen, die bei einem normalen LMP2 weder vorgesehen noch erlaubt gewesen wären.
Das Team entwickelte dafür ein spezielles Lenksystem. Sausset trug eine Prothese, an deren Ende sich eine Verbindung befand, mit der er das Lenkrad kontrollieren konnte. Die Lenkbewegung blieb dabei laut Onroak weitgehend vergleichbar mit der eines gewöhnlichen Rennwagens. So sollte Sausset möglichst direkt mit dem Fahrzeug verbunden bleiben, statt den Wagen über eine stark vereinfachte Fernsteuerungslogik zu bewegen.
Auch beim Bremsen war eine Sonderlösung nötig
Noch komplexer war die Bremsanlage. Ein gewöhnlicher LMP2 verlangte hohe Pedalkräfte, die Sausset ohne entsprechende Unterstützung nicht erzeugen konnte. Sein Morgan erhielt deshalb eine Servounterstützung für die Bremse. Ein Unterdrucksystem verstärkte die von ihm eingebrachte Kraft, damit der erforderliche Bremsdruck erreicht werden konnte.
Zusätzlich verfügte der Wagen über ABS – eine Besonderheit, die nach Angaben des zuständigen Onroak-Ingenieurs kein anderes Fahrzeug im damaligen Feld verwendete. Das System sollte verhindern, dass blockierende Räder Sausset bei harten Bremsmanövern vor zusätzliche Schwierigkeiten stellten. Die Sondertechnik war damit kein Komfortmerkmal, sondern elementare Voraussetzung dafür, dass er den Prototypen sicher auf Renntempo bewegen konnte.
Die größte Herausforderung war nicht nur das Fahren
Ein Rennwagen für Sausset musste allerdings auch für Situationen vorbereitet sein, in denen er nicht selbstständig aussteigen konnte. Besonders bei einem Unfall oder Fahrzeugbrand war das ein entscheidendes Sicherheitsproblem. Die Verantwortlichen entwickelten deshalb spezielle Abläufe, um ihn im Notfall möglichst schnell aus dem Cockpit entfernen zu können.
Vor seinem Einsatz in der European Le Mans Series kontrollierten unter anderem FIA-Mediziner und Vertreter der Fahrer die entsprechenden Verfahren. Dabei wurde nicht nur der Wagen untersucht. Auch die Rettungsabläufe mussten so vorbereitet sein, dass Streckenposten und medizinische Teams auf Saussets besondere Situation reagieren konnten. Erst damit wurde aus dem technisch fahrbaren Morgan ein für internationale Langstreckenrennen einsetzbares Gesamtprojekt.
Sausset musste erst zum Rennfahrer werden
Die technischen Umbauten allein reichten nicht. Sausset benötigte Rennerfahrung und musste lernen, einen Prototypen über längere Stints konstant zu bewegen. Dafür absolvierte er zunächst Einsätze in anderen Rennserien und trainierte mit unterschiedlichen Fahrzeugen. Anfang Februar 2016 fuhr er schließlich erstmals genau den Morgan-LMP2, mit dem er wenige Monate später in Le Mans antreten sollte.
Der Weg führte anschließend unter anderem über die European Le Mans Series. Gemeinsam mit Tinseau und Bouvet startete Sausset bei den 4 Stunden von Silverstone. Das Team belegte dort Rang 31. Noch wichtiger als das Ergebnis waren die Erfahrungen unter echten Rennbedingungen: Verkehr, Boxenstopps, Fahrerwechsel und längere Stints ließen sich in einem Test allein nur begrenzt simulieren.
Christophe Tinseau wurde zum wichtigen Begleiter
Sausset war bei seinem Projekt auf erfahrene Teamkollegen angewiesen. Besonders Christophe Tinseau spielte während der Vorbereitung eine wichtige Rolle. Der Franzose verfügte bereits über zahlreiche Le-Mans-Starts und war früh in das Projekt eingebunden. Jean-Bernard Bouvet brachte ebenfalls umfangreiche Erfahrung im Langstreckensport mit.
Das Trio erfüllte damit unterschiedliche Aufgaben. Tinseau und Bouvet sollten den Morgan nicht nur schnell bewegen, sondern gleichzeitig bei Entwicklung und Abstimmung helfen. Für Sausset waren erfahrene Fahrer besonders wertvoll, weil sie beurteilen konnten, ob Probleme tatsächlich aus seinen spezifischen Anpassungen entstanden oder schlicht typische Eigenschaften des Prototypen waren. Gemeinsam musste daraus eine Mannschaft für ein komplettes 24-Stunden-Rennen werden.
Die Startnummer 84 hatte einen besonderen Grund
In Le Mans trat SRT41 by OAK Racing schließlich mit der Nummer 84 an. Der ACO verwies darauf, dass dies zugleich die 84. Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans war. Frühere Präsentationen des Projekts hatten zunächst auch die Nummer 41 gezeigt, die auf Saussets Heimatregion Loir-et-Cher und deren französische Départementnummer verwies.
Hinter dem Projekt standen inzwischen zahlreiche Unterstützer. Neben Onroak Automotive und OAK Racing waren der ACO und die FIA beteiligt, auch Audi unterstützte das Vorhaben. Aus einer persönlichen Idee war damit innerhalb weniger Jahre ein technisch und organisatorisch komplexes Motorsportprojekt geworden, das auf einer der größten Bühnen des internationalen Rennsports antreten sollte.
Le Mans bedeutete mehr als einige schnelle Runden
Am 18. Juni 2016 stand Sausset tatsächlich in der Startaufstellung der 24 Stunden von Le Mans. Allein damit erreichte er einen historischen Meilenstein. Der ACO bezeichnete ihn später als ersten vierfach amputierten Fahrer, der bei dem Langstreckenklassiker antrat. Doch für Sausset bestand das Ziel von Beginn an nicht nur darin, symbolisch einige Runden zu fahren.
Der Morgan sollte das Rennen möglichst vollständig absolvieren. Sausset musste dabei reguläre Stints übernehmen und durfte nicht nur als nomineller Fahrer geführt werden. Damit blieb der sportliche Anspruch bestehen. Garage 56 erleichterte die technische Zulassung der notwendigen Sonderlösungen, nahm dem Team aber weder die Distanz noch die grundlegenden Anforderungen eines 24-Stunden-Rennens ab.
Fahrerwechsel wurden zu einer eigenen Disziplin
Schon bei normalen Le-Mans-Prototypen ist ein Fahrerwechsel ein präzise geplanter Vorgang. Bei SRT41 kam eine zusätzliche Schwierigkeit hinzu. Sausset konnte nicht wie seine Teamkollegen selbstständig aus dem engen Cockpit steigen oder sich ebenso schnell anschnallen. Das Team musste deshalb eigene Abläufe entwickeln, ohne bei Sicherheit und korrekter Positionierung Kompromisse einzugehen.
Gleichzeitig durfte ein Wechsel nicht unbegrenzt Zeit kosten. Jede zusätzliche Minute an der Box reduzierte die zurückgelegte Distanz. Das verdeutlichte, wie weit das Projekt inzwischen über eine reine Demonstration hinausging. Nicht nur das Fahren musste funktionieren, sondern der gesamte Rennbetrieb – vom Einstieg über die Fahrzeugbedienung bis zur Übergabe an den nächsten Fahrer.
Das Rennen wurde zur Belastungsprobe für Mensch und Technik
Über 24 Stunden mussten sich sämtliche Sonderlösungen bewähren. Vibrationen, Hitze, Dunkelheit, wechselnde Streckenbedingungen und schneller Verkehr gehörten dabei genauso zum Alltag wie für jedes andere Team. Für Sausset kam die körperliche Belastung hinzu, die durch seine spezielle Sitz- und Bedienposition nicht vollständig mit jener seiner Teamkollegen vergleichbar war.
Der Morgan blieb dennoch lange genug im Rennen, um aus dem ungewöhnlichen Projekt einen echten Langstreckeneinsatz zu machen. Saussets Stints waren keine symbolischen Runden vor großem Publikum, sondern Bestandteil einer Mannschaftsleistung. Je länger das Rennen dauerte, desto näher rückte damit ein Ziel, das vier Jahre zuvor noch kaum mehr als eine außergewöhnliche Vorstellung gewesen war.
Nach 24 Stunden erreichte der Morgan die Zielflagge
Am Sonntag überquerte der Morgan-Nissan tatsächlich die Ziellinie. Sausset, Tinseau und Bouvet hatten ihr entscheidendes Ziel erreicht. In zeitgenössischen Ergebnisberichten wurde das Fahrzeug aufgrund seines besonderen Garage-56-Status zunächst als außerhalb der normalen Wertung geführt; die heutige offizielle Le-Mans-Datenbank listet Sausset für 2016 auf Rang 38 und als Sieger der CDNT-Kategorie.
Die Platzierung war ohnehin zweitrangig. Entscheidend war, dass der Wagen nach einem vollständigen 24-Stunden-Rennen noch fuhr. Sausset war damit der erste Fahrer mit vier amputierten Gliedmaßen, der sowohl bei den 24 Stunden von Le Mans startete als auch das Rennen beendete.
Der Empfang nach dem Rennen zeigte die Bedeutung des Projekts
Sausset und seine Teamkollegen wurden nach der Zieldurchfahrt besonders geehrt. Bei der Podiumszeremonie erhielt das Trio eine spezielle Auszeichnung und wurde vom Publikum gefeiert. Auch Fahrer aus dem regulären Feld würdigten die Leistung. Für den Franzosen endete damit ein Projekt, das über mehrere Jahre sein Leben geprägt hatte.
Später im Jahr folgte eine weitere bedeutende Anerkennung. Bei der FIA-Gala erhielt Sausset den President’s Award von FIA-Präsident Jean Todt. Nach Angaben des ACO war diese besondere Auszeichnung zuvor noch nie vergeben worden. Der Le-Mans-Einsatz hatte sich damit weit über die unmittelbare Wahrnehmung während des Rennwochenendes hinaus entwickelt.
Garage 56 bekam 2016 eine neue Bedeutung
Der DeltaWing von 2012 hatte gezeigt, wie stark sich die Form eines Rennwagens verändern ließ, wenn Effizienz wichtiger wurde als konventionelle Fahrzeugarchitektur. Der Nissan ZEOD RC hatte zwei Jahre später elektrische Energie und einen extrem kompakten Turbomotor kombiniert. Saussets Morgan war technisch wesentlich näher an einem normalen LMP2 – und interpretierte Innovation trotzdem mindestens ebenso radikal.
Diesmal wurde nicht primär das Fahrzeug neu gedacht, sondern die Verbindung zwischen Mensch und Maschine. Lenkung, Bremse, Sicherheitskonzept und Fahrerwechsel wurden so verändert, dass ein vorhandener Rennprototyp für einen Fahrer nutzbar wurde, für den er ursprünglich überhaupt nicht konstruiert worden war. Damit erweiterte Garage 56 seinen bisherigen Technologiebegriff erheblich.
Aus Saussets Erfolg entstand das nächste Projekt
Nach 2016 beendete Sausset sein Engagement keineswegs. Statt das erfolgreiche Le-Mans-Projekt als einmalige persönliche Geschichte stehen zu lassen, richtete er seine Arbeit stärker darauf aus, anderen Fahrern mit Behinderungen den Zugang zum Motorsport zu ermöglichen. Daraus entwickelte sich unter anderem die SRT41 Academy beziehungsweise Filière Frédéric Sausset.
Das langfristige Ziel war größer als ein weiterer einzelner Le-Mans-Start. Strukturen, Erfahrungen und technische Lösungen sollten übertragbar werden. Damit änderte sich auch Saussets eigene Rolle. Vom Fahrer eines außergewöhnlichen Garage-56-Projekts entwickelte er sich zunehmend zum Organisator eines Programms, das anderen Piloten ähnliche Möglichkeiten eröffnen sollte.
2021 kehrte SRT41 nach Le Mans zurück
Fünf Jahre nach Saussets eigener Teilnahme gelang der nächste Schritt. SRT41 brachte einen angepassten Oreca 07 nach Le Mans. Mit Takuma Aoki und Nigel Bailly gehörten diesmal zwei querschnittgelähmte Fahrer zur Mannschaft, ergänzt durch den erfahrenen Matthieu Lahaye. Sausset selbst stand nicht mehr als Fahrer im Mittelpunkt, sondern leitete das Projekt.
Damit schloss sich zugleich ein Kreis. Genau die Bezeichnung, die auf Sausset selbst 2016 nicht zutraf, spielte beim Folgeprojekt nun tatsächlich eine Rolle: Aoki und Bailly waren aufgrund ihrer Querschnittlähmungen auf besondere Bedienlösungen angewiesen. Das SRT41-Konzept entwickelte sich dadurch von einer individuellen Anpassung für einen vierfach amputierten Fahrer zu einem breiteren Ansatz für inklusive Motorsporttechnik.
Der Erfolg von 2016 war deshalb mehr als eine Ausnahme
Saussets eigener Le-Mans-Einsatz hätte leicht als einmalige außergewöhnliche Geschichte enden können. Stattdessen bildete er die Grundlage für ein Entwicklungsprogramm, dessen Technik und Erfahrungen später anderen Fahrern zugutekamen. Das unterscheidet SRT41 von vielen Projekten, deren Bedeutung hauptsächlich in einem einzelnen spektakulären Auftritt bestand.
Garage 56 hatte 2016 gezeigt, dass Innovation nicht zwingend in größerer Leistung, geringerem Verbrauch oder einem neuen Energieträger liegen musste. Auch ein bestehender Rennwagen konnte zum Entwicklungsträger werden, wenn seine Bedienung grundsätzlich neu gedacht wurde. Dieser Gedanke erwies sich als wesentlich nachhaltiger, als der einmalige Le-Mans-Auftritt zunächst vermuten ließ.
Warum Saussets Geschichte ohne Überhöhung funktioniert
Die Geschichte von Frédéric Sausset benötigt keine künstliche Dramatisierung. Innerhalb von vier Jahren führte sein Weg von einer lebensbedrohlichen Infektion und der Amputation aller vier Gliedmaßen zu einem Start bei einem der anspruchsvollsten Langstreckenrennen der Welt. Entscheidend war dabei nicht nur persönlicher Wille, sondern ebenso die jahrelange technische, sportliche und organisatorische Arbeit eines großen Teams.
Gerade diese Perspektive macht den Garage-56-Einsatz besonders interessant. Der Morgan fuhr nicht deshalb in Le Mans, weil die üblichen Anforderungen für Sausset abgeschafft worden wären. Stattdessen entwickelten Ingenieure Lösungen, mit denen er möglichst viele dieser Anforderungen überhaupt erfüllen konnte. Das Fahrzeug wurde an den Fahrer angepasst – nicht das Rennen auf eine symbolische Teilnahme reduziert.
Frédéric Sausset veränderte die Idee von Garage 56
Als Sausset am 19. Juni 2016 die 24 Stunden von Le Mans beendet hatte, war Garage 56 um eine Dimension reicher. Zuvor hatte der zusätzliche Startplatz vor allem gezeigt, wie alternative Rennwagen aussehen oder angetrieben werden konnten. Der Morgan-Nissan demonstrierte nun, wie Technik Barrieren zwischen einem Menschen und einem Hochleistungsrennwagen reduzieren konnte.
Vier Jahre nach dem Verlust seiner Arme und Beine hatte Sausset nicht nur den Start erreicht. Gemeinsam mit Christophe Tinseau und Jean-Bernard Bouvet brachte er den Morgan über die gesamte Distanz. Aus einer persönlichen Herausforderung entstand anschließend ein Programm für weitere Fahrer. Gerade deshalb gehört sein Einsatz zu den wichtigsten Kapiteln der Garage-56-Geschichte von Le Mans.
